Dienstag, 7. März 2017

Gespenster-Krimi 3: Hollywood-Horror

Gespenster-Krimi Folge 3 (2015): Hollywood Horror nach einem Roman von Earl Warren
In den 50er Jahren versetzt der Serienmörder Gordon Gloom ganz Amerika in Angst und Schrecken. In der Gegenwart entschließt sich ein schmieriger Filmproduzent, aus Glooms Gräueltaten einen billigen Slasherfilm zu machen. Gloom soll von dem aufstrebenden Jungschauspieler Rich Swann gespielt werden. Der ist mit seiner Rolle ganz und gar nicht zufrieden. Das ist aber bald sein geringstes Problem, als plötzlich der echte Gloom quicklebendig am Set auftaucht, den Maskenbildner am Set umbringt, und - da Swann mit seiner Maske genauso aussieht wie er - den Mord dem jungen Schauspieler in die Schuhe schiebt. Swann gelingt es zu entkommen, aber nun sind die Polizei und ein satanistischer Serienkiller hinter ihm her...

Hollywood-Horror
Na dann, willkommen bei einer neuen Folge Geister-Schocker, äh... Dreamland Grusel, quatsch, wieder falsch....ach ja, Gespenster-Krimi! Diese ganzen Gruselserien, die mit ihrer Umsetzung von alten Stoffen auf die Nostalgie der Fans schielen, werden auch immer austauschbarer. So gesehen könnte "Hollywood-Horror" genauso gut in jeder dieser Reihen erschienen sein, ohne groß aufzufallen. Versteht mich nicht falsch: Das ist alles sehr gt produziert und von den SprecherInnen gar nicht schlecht gespielt. Es ist nur einfach stinklangweilig, wenn eine (zu diesem Zeitpunkt) noch neue Hörspielserie so komplett ohne jede Risikofreude daherkommt und sich nur auf von anderen längst ausgetretenen Pfaden bewegt. So hat man bei der hier erzählten Geschichte stets das Gefühl, das alles schon tausendmal (und meistens besser) gehört zu haben, Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Ein tumber Mörder meuchelt sich durch eine noch tumbere Schar von Protagonisten. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Ausgangsprämisse von erlesener Dummheit ist. Da sollen wir tatsächlich schlucken, dass der Maskenbildner des Films Glooms Aussehen so perfekt getroffen hat, dass nicht einmal er ihn vom echten Gloom unterscheiden kann. Der taucht natürlich genau im richtigen Moment im Wohnwagen des Mannes auf (wie ist er ohne Aufsehen zu erregen dort hineingelangt?) und natürlich gehen alle sofort davon aus, dass Rich der Mörder ist. Dazu hätte ich eine Frage: Warum eigentlich? Klar, durch das Makeup sehen sie beide gleich aus, aber wenn Gloom so bekannt ist, dass seine Taten über 60 Jahre später noch verfilmt werden, könnte genauso gut ein anderer Irrer in Verkleidung der Täter sein. Trotzdem schalten Swanns Kollegen sofort in den Lynchmob-Modus und sind in Nullkommanix in ihrer Mordlust nicht mehr von Gloom zu unterscheiden. Das ist einfach nur unglabwürdig.

Kein großes Kino
Schade, davon habe ich mir mehr erwartet. Hollywood-Horror ist ein 08/15-Hörspiel, das keine Sekunde lang vom Standardprogramm abweicht und einfach nur alles nach Schema F abspult. ich bin gelinde gesagt enttäuscht.

Dienstag, 7. Februar 2017

Meine liebsten YouTube-Kanäle

Ich könnte ja oft Stunden auf YouTube verbringen und einfach von einem Kanal zum nächsten "zappen". Auf meiner Abo-Liste hat sich daher schon ein breites Sammelsurium an Kanälen zu den verschiedensten Themen gebildet. Deshalb dachte ich mir, dass ich euch einmal meine liebsten YouTuber zeige. Vielleicht ist für euch ja auch etwas dabei.

Chris Stuckmann
Wer auf fundierte Kurzrezensionen zu aktuellen und manchmal auch älteren Filmen steht, ist bei Chris Stuckmann an der richtigen Adresse. Auch wenn ich nicht immer seiner Meinung bin, haben seine Reviews immer Hand und Fuß. Hier mal die Rezension zu "Erased" als Beispiel:





(Und wenn ihr ihn mal richtig durchdrehen sehen wollt, schaut euch sein Review zu Movie 43 an.)

The Cinema Snob
Brad Jones ist schon seit Jahren einer meiner Favoriten. Viele können mit seiner Rolle als Snob offenbar nichts anfangen, ich finde ihn extrem unterhaltsam:



Comic Book Girl 19
Was das Comic Book Girl reviewt, muss ich wohl nicht extra sagen, oder? Wobei es bei ihr nicht nur um Comics, sondern auch um Horror, Science Fiction und Fantasy geht. Anders als bei Stuckmann können ihre Videos schon einmal 45 Minuten lang werden. Das ist bei ihrer Rezension zu Dr. Strange allerdings nicht der Fall:


WatchMojo
WatchMojo liefert täglich unterhaltsame Top 10 Listen wie diese hier:


Rob Dyke & Cayleigh Elise
Diese beiden Kanäle bekommen einen gemeinsamen Platz, da sie ein ähnliches Themengebiet bearbeiten und auch sehr oft kooperieren. Ich habe einen gewissen Hang zum Makabren, ungelöste Mordfälle faszinieren mich genauso wie unerklärliche Phänomene (veruscht mal, meine Bücher und DVDs zu Jack the Ripper zu zählen). Zwei Beispielvideos. Eines von Rob Dyke:



Und eines von Cayleigh Elise, das sich hier leider nicht einbetten lässt, ich aber wärmstens empfehle:  Who put Bella in the Wych Elm?

Epic Rap Battles of History
Wolltet ihr schon immer wissen, ob Abraham Lincoln oder Chuck Norris der bessere Rapper ist? Wie wäre es mit Bruce Lee vs. Clint Eastwood? Oder Superman vs Goku? Findet man alles bei "Epic Rap Battles of History":


Whatculture Wrestling
Bei einem Wrestlingfan wie mir war wohl klar, dass bei so einer Liste auch ein Wrestlingkanal kommen muss. Die Jungs von Whatculture haben das ganze aber auf das nächste Level gehoben und neben Wrestling News und Top 10 Videos gleich ihre eigene Promotion aus dem Boden gestampft. Hier eines ihrer Videos:




Ich ihoffe, ihr habt euren Spaß mit meinen Empfehlungen. So, jetzt seid ihr dran: Welche Kanäle schaut ihr auf YouTube regelmäßig? Ich bin auf eure Antworten gespannt!

Sonntag, 5. Februar 2017

Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt von Martin Bourboulon

Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt (FR 2015) von Martin Bourboulon
Florence und Vincent Leroy haben drei gemeinsame Kinder und sind im Berufsleben erfolgreich. Das einzige Problem: Sie kommen miteinander nicht mehr klar und wollen sich daher scheiden lassen. Verläuft anfangs alles nach Plan, gerät die ganze Sache aus den Fugen, als beide gleichzeitig genau die Beförderung erhalten, von der sie ihr Leben lang geträumt haben. Eines ist dem Ex-Ehepaar in spe schnell klar: Es soll doch bitte der Ehepartner das Sorgerecht für die Kinder bekommen, denn wenn man sich um die eigene (zugegebenermaßen etwas schwierigere) Brut kümmern müsste, stünde das ja der eigenen Selbstverwirklichung im Weg. Also beginnt praktisch über Nacht ein Wettbewerb, wer von beiden der schlechtere Elternteil ist, damit das Gericht dem jeweils anderem das Sorgerecht aufhalst...


Es gibt so Filme, bei denen man sich fragt, ob bei der Entstehung irgendjemand gut gefunden hat. Der Vulkanfilm ist so einer. Und "Mama gegen Papa" reiht sich nahtlos in diese Riege unlustiger Komödien ein. Sehr oft haben solche Filme das Problem, dass einer der beiden Protagonisten sich wie ein dämlicher Ignorant aufführt, bevor er oder sie endlich kapiert, dass die wahre Liebe die ganze Zeit vor ihm/ihr stand. Martin Bourboulon hat dieses Problem in "Mama gegen Papa" auf seine ganz eigene Art und Weise geklärt: Hier sind beide Hauptfiguren unerträgliche Arschgesichter.
Kinder schlagen? Kein Problem! Dem Freund der Tochter die Titten zeigen? Macht doch nix! Dem großen Sohn absichtlich mit einem Rasierer den halben Hinterkopf kahl scheren? Ist doch lustig! Dem kleinen die Geburtstagsfeier versauen? Nun lacht doch, Leute!
Ich habe kein Problem mit politisch unkorrekten Komödien. Es stört mich aber, wenn sie ihr Hauptziel, die Menschen zum Lachen zu bringen, so klar verfehlen. Man sieht hier eigentlich nur zwei egozentrische Vollidioten, die an niemanden außer an sich selbst denken, sich wie Kleinkinder aufführen, und dabei noch nicht einmal besonders lustig rüberkommen. Da hilft es auch nichts, dass Laurent Lafitte und Marina Fois durchaus so wirken, als könnten sie mit dem richtigen Skript überzeugende Leistungen abliefern und die Entschuldigung bei den Kindern knapp zwei Minuten vor dem Ende macht rein gar nichts wieder wett. Nur am Ende musste ich kurz auflachen, wenn auch aus dem falschen Grund: Als sie ihm zeigt, dass er sie bei einem kurzen Rückfall geschwängert hat, war das für mich nicht das von den Machern angedachte Happy End. Ich hab mir nur gedacht, dass jetzt noch ein armes Kind bei diesen beiden gestörten Existenzen aufwachsen muss.

Aber hey, wisst ihr, was diese "Komödie" unbedingt gebraucht hat? Genau, ein deutsches Remake:



Und wenn ich nach dem Trailer gehe, haben sie überhaupt nichts geändert, sondern scheinbar einfach Szene für Szene den gleichen Film gedreht. Kann mir mal jemand den Sinn von so einer Herangehensweise erklären? Das Original war doch erst 2015 im Kino, verdammt nochmal!!
"Mama gegen Papa - wer hier verliert, gewinnt" - Und wer sich diesen FIlm ansieht, hat schon verloren.

Montag, 30. Januar 2017

Conjurer von Clint Hutchison

Conjurer (USA 2008) von Clint Hutchison (dt. Titel: "Nur im Tod gibt
es Vergebung")
Der Fotograf Shawn Burnett und seine Frau Helen ziehen nach dem Tod ihres ungeborenen Babys bei einem Unfall  aufs Land. Schon bald schöpft das Ehepaar den Verdacht, dass es in der alten Hütte, welche schon seit Jahrzehnten auf ihrem neu erworbenem Grundstück steht, nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Indizien, dass es dort spuken könnte, verdichten sich immer mehr. Es stellt sich heraus, dass dort vor langer Zeit eine Frau wohnte, die von den anderen Menschen in der Gegend für eine Hexe gehalten und vom örtlichen Lynchmob ermordet wurde. Als die Burnetts schlussendlich beschließen, die Hütte abreißen zu lassen, intensivieren sich die übernatürlichen Geschehnisse von Minute zu Minute. Vor allem Shawn wird von den mysteriösen Vorgängen immer mehr beeinflusst. Spukt es dort tatsächlich? Oder dreht Shawn, der dem Umzug von Anfang an eher skeptisch gegenüber stand, langsam durch?

Conjurer von Clint Hutchison
Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn ich am Ende des Filmes lange und gründlich überlegen muss, wie er eigentlich angefangen hat, obwohl er eine Laufzeit von unter 90 Minuten hat. Conjurer ist vor allem....blah. Das ist alles ganz nett gefilmt, die Dialoge sind alle durchschnittlich geschrieben, das Auffälligste an den Protagonisten ist, dass sie absolut unauffällig sind und die schauspielerischen Leistungen stechen weder besonders positiv noch besonders negativ heraus. Oder anders formuliert: das ist alles so stinklangweilig, dass ich mir ab Minute 30 am liebsten selber in die Hand gebissen hätte, damit ich nicht einschlafe. Uninteressante Menschen sprechen in uninteressanten Szenerien uninteressante Dialoge, um eine uninteressante Handlung "voranzutreiben". Letzteres ist ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, "Conjurer" besteht zu 75 Prozent aus reinen Zeitfüllern, die rein gar nichts mit dem Plot zu tun haben. Posterboy dafür ist Helens Bruder, der jedes Mal, wenn er auftaucht, Gott und die Welt aufhält, damit sich alles nur noch darum dreht, wie hilfreich er nicht mit dem Haus ist. Dass er so toll mit der Finanzierung geholfen hat, hat was genau mit der Handlung zu tun? Genau nichts, aber es wird mindestens dreimal lang und breit in Dialogform ausgewalzt. So kommt erst in den letzten 20 Minuten ein ganz klein wenig mehr Tempo aufkommt und dann ist der Film vorbei.
Eine Frage hätte ich noch zum deutschen Titel, "Nur im Tod gibt es Vergebung": Hä? Abgesehen vom ungeborenen Kind (das wohl kaum so viel gesündigt haben kann) der Burnetts stirbt niemand in dem Film. Oder soll der Titel etwa zum Ausdruck bringen, dass Shawn sich aufgrund dessen, dass er von einem bösen Geist besessen war, doch bitte von der nächsten Brücke schmeißen soll, oder was? Oder wollte hier jemand poetisch klingen und es ging ganz furchtbar in die Hose?

Fazit zu Conjurer
Laaaaangweeeeeiiiillliiiggg!! Der Film ist ein Schnarcher vor dem Herrn und absolut nicht empfehlenswert.

Den Trailer (der sich warum auch immer hier nicht einbetten lässt) gibt es hier.

Sonntag, 22. Januar 2017

Meine liebsten Tatort-Folgen - Reifezeugnis von Wolfgang Petersen

Tatort - Reifezeugnis (BRD 1977) von Wolfgang Petersen
Die 17-jährige Sina Wolf hat ein Geheimnis: Sie unterhält seit einiger Zeit ein sexuelles Verhältnis mit ihrem Lehrer. Als der unglücklich in sie verliebte Schulkollege Michael dahinter kommt, trifft ihn das emotional sehr. Seine Liebe entwickelt sich zur Besessenheit, er versucht, Sina zum Geschlechtsverkehr zu erpressen: Bekommt er seinen Willen nicht, will er ihre Affäre öffentlich machen. Sina sieht sich gezwungen, mit ihm in den Wald zu gehen. Dort kommt es aber nicht zum Sex. Als Michael aufdringlich wird, greift Sina zu einem Stein und erschlägt ihn damit, um sich und ihren Lehrer zu schützen. Deshalb fügt sie sich weitere Spuren einer Vergewaltigung zu und behauptet Kommissar Finke gegenüber, dass sie ein Unbekannter, der schon länger wegen mehrerer Sexualverbrechen gesucht wird, vergewaltigen wollte und Michael - beim Versuch, sie zu beschützen - von diesem ermordet worden sei. Was sie nicht weiß: Michael hat vor seinem Tod seiner Mitschülerin Inge alles erzählt. Diese versucht nun, aus ihrem Wissen Kapital zu schlagen...


Es ist nun etwa zweieinhalb Jahre her, dass ich vollmundig angekündigt habe, in unregelmäßigen Abständen meine Lieblings-Tatorte vorzustellen. Hey, wenn ich in diesem Tempo weitermache, kann es sich nur noch um Jahrhunderte handeln, bis ich halbwegs fertig bin. Das hält mich natürlich trotzdem nicht davon ab, jetzt endlich damit weiterzumachen.
"Reifezeugnis" ist nicht nur die erste große Rolle von Nastassja Kinski, sondern auch ein Frühwerk von Regisseur Wolfgang Petersen ("Das Boot"). Neben einigen Schimanskis (wie dem oben verlinkten "Moltke") zählt "Reifezeugnis" zu den bekanntesten Tatort-Folgen. Das hat mehrere Gründe.
Erstens sind Petersen und Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld ein gewisses Risiko eingegangen, indem sie auf das Krimi-Ratespiel "Wer ist der Mörder?" verzichtet und gleich am Anfang den Mord an Michael gezeigt haben. Auch das Motiv ist schon am Beginn klar, wenn man erst sieht, wie Michael erst Sina mit dem Lehrer beobachtet und später versucht, sie zu erpressen. Eigentlich würde man einen schlechter gemachten Krimi an dieser Stelle bereits abschalten. Dass man dennoch bis zur letzten Minute dranbleibt, liegt an den Charakterstudien von Petersen und Lichtenfeld. Es ist eine wahre Freude, zu beobachten, wie Finke und sein Partner behutsam versuchen, das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren zu entwirren und hinter die angeblich so heile Welt der Verdächtigen zu blicken.
Der Hauptgrund dafür, dass "Reifezeugnis" heute als Tatort-Klassiker liegt, ist aber ein anderer und dieser Grund heißt Nastassja Kinski. Was für eine Talentprobe! Kinski spielt Sina mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Allein die Szene, in der sie am Ende mehrfach erfolglos versucht, sich umzubringen - fantastisch. Und dabei ist es mir völlig egal, dass sie sich ein paar Mal auszieht (obwohl sie dadurch durchaus ein wenig "Schulmädchenreport"-Flair in die deutschsprachigen Wohnzimmer brachte). Eine Talentprobe wie diese hat man beim Tatort nur äußerst selten gesehen.

Fazit zu Reifezeugnis
"Reifezeugnis" ist ein zeitloser Tatort, den man sich auch heute noch ohne Weiteres anschauen kann.

Sonntag, 15. Januar 2017

Gott ist nicht tot 2 von Harold Cronk

Gott ist nicht tot 2 (USA 2016) von Harold Cronk
Der Glaube an Gott scheint bei immer weniger Menschen eine wichtige Rolle in ihrem Leben zu spielen. Im Gegenteil, Menschen, die ihren Glauben leben möchten, werden immer öfter Opfer von offenen Anfeindungen vom Rest der Gesellschaft. Das bekommt auch die junge Lehrerin Grace Wesley (Melissa Joan Hart) zu spüren, als sie die Frage einer Schülerin, die wissen möchte, ob Martin Luther King und Jesus nicht in gewissen Punkten ähnliche Standpunkte vertraten, beantwortet und dabei den Namen Jesus in den Mund nimmt. Innerhalb von wenigen Tagen wird Grace vor Gericht gezerrt und dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen, wenn sie ihren Job behalten und finanziell für alle Zeiten ruiniert werden möchte. Die Einschüchterungstaktik funktioniert nicht, Grace ist eine aufrechte Christin, die für ihren Glauben kämpfen will. Ihr junger und unerfahrener Anwalt (Jesse Metcalfe) unterstützt sie dabei. Ihre Strategie: Sie wollen vor Gericht beweisen, dass Jesus tatsächlich gelebt hat, denn wenn er eine historische Persönlichkeit war, kann man ihn schließlich auch im Geschichtsunterricht erwähnen, ohne dafür ans nächste Kreuz genagelt....äh....verurteilt zu werden. Der Anwalt der Gegenseite (Ray Wise) hat da natürlich etwas dagegen...


Im letzten Drittel des Films gibt es eine Szene, die den Kern der Aussage von "Gott ist nicht tot 2" perfekt herausarbeitet: Kurz vor dem Ende des Prozesses demonstrieren Atheisten und Gläubige, um ihre jeweiligen Standpunkte zu vertreten. Die Atheisten schreien die Gegenseite wutentbrannt an, man sieht nur hochrote Köpfe. Was tun die Christen auf der anderen Seite? Halten schweigend ihre Plakate hoch, beten und sind so freundlich zu allem und jedem, dass es weh tut. Das zieht sich durch den gesamten Film: Die Christen sind eine arme, verfolgte Minderheit, die nur friedlich leben wollen, was den bösen Atheisten aber nicht gefällt. Diesbezüglich geht Teil 2 noch um einiges weiter als Gott ist nicht tot, wenn Ray Wise in seiner Rolle allen Ernstes verkündet, dass Gott tatsächlich tot sei. Dass er bei der Verhandlung sämtliche Verhaltensweisen an den Tag legt, die man sonst dem Teufel zuschreibt, ist da fast schon subtil.
Dass der Film absichtlich eine völlig unrealistische Strohmann-Debatte führt, zeigt sich bereits in dem Grund, aus welchem die Protagonistin vor Gericht gezerrt wird. Eine Schülerin fragt sie während des Unterrichts, ob Jesus nicht etwas ganz Ähnliches gesagt habe, wie Martin Luther King (der gerade im Unterricht behandelt wird). Grace (passender Name übrigens) beantwortet die Frage, indem sie die angesprochenen Aussagen kurz vergleicht. Da sie aber Jesus erwähnt (nach dem sie ja explizit gefragt wurde), suspendiert die Schule sie umgehend, alle flippen komplett aus und man droht ihr nicht nur indirekt damit, sie durch den Prozess finanziell zu ruinieren. Dieser Schauprozess ist von Anfang an ihr gegenüber unfair, da so ziemlich alle gegen die Angeklagte sind und das auch offen zur Schau stellen. Dabei würde dieser Prozess in der realen Welt niemals stattfinden, weil jeder weiß, dass man eine so gestellte Frage nicht beantworten kann, ohne die Person, nach der gefragt wurde, zu erwähnen. So stellt man absichtlich alles so hin, als wäre sofort die halbe Welt hinter dir her, wenn man nur kurz "Jesus!" sagt und die Menschen glauben das auch noch, lest euch nur mal die Amazon-Rezensionen durch.
"Gott ist nicht tot 2" führt die Geschichte einiger Charaktere aus dem ersten Teil fort. So erfährt man zum Beispiel, dass die krebskranke Reporterin/Bloggerin, die im ersten Film zu Gott gefunden hat, ihre Krebs tatsächlich wegbeten konnte. Habt ihr das gehört, liebe ÄrztInnen? Chemotherapien sind total nutzlos, betet mit den PatientInnen einfach dreimal am Tag das Vater unser, dann wird bald alles wieder gut. Ihre Freunde von den Newsboys (einen nichtssagenderen Namen für eine Band habe ich selten gehört) kommentieren das schon fast schulterzuckend mit einem (sinngemäßen) "Dafür hast du doch gebetet, oder?", als wäre so ein Gebiet nichts anderes als eine Bestellung beim Pizzaservice.
Ein "gutes" Beispiel für die Bösartigkeit aller Atheisten ist auch der Vater des chinesischen Studenten aus Teil 1, der seinen Sohn gleich ohrfeigt, anschreit und schlussendlich enterbt, als er hört, dass sein Sohn nun an Gott glaubt. Zwar nicht ganz so bescheuert, wie der seine Tochter verprügelnde Moslem aus Film Numero Uno, aber hey, man nimmt, was man kriegen kann.
Neben den bereits genannten lassen auch David A.R. White und Benjamin Onyango ihre Pastoren-Bromance aus dem ersten Film wieder aufleben. Diesmal fahren sie zwar nicht gemeinsam nach Disneyland, aber White ist einer der Geschworenen im Prozess und natürlich als einziger auf der Seite von Grace. Als er mit einem Blinddarmdurchbruch ausfällt, kommentiert er das allen Ernstes mit einem theatralischen "Aber ich muss doch bei ihr sein!" - wirklich sehr unvoreingenommen, der Herr Geschworene. Außerdem stellt sich mir bei der deutschen Fassung des Films die Frage, wieso Onyango plötzlich so klingt, als hätte man ihm ein Dutzend Murmeln in den Rachen gestopft. Generell hat sich die Synchronisation im Vergleich stark geändert. Auffällig ist das noch an unserem chinesischen Studenten, dem sie - aus welchem Grund auch immer - einen ziemlich dick aufgetragenen Akzent verpasst haben.
Natürlich gewinnt Grace am Ende den Prozess und selbstverständlich wird es so hingestellt, dass Gott persönlich dafür verantwortlich war (ihr Anwalt hatte wohl gar nichts damit zu tun, oder?). Ist ja nicht so, als hätte eine allmächtige Wesenheit nichts Besseres auf dieser Welt zu tun.

Filmgewordene Verlogenheit
"Gott ist nicht tot 2" macht mich noch wütender, als sein Vorgänger es je geschafft hat, da er noch wesentlich verlogener ist, als der - in dieser Hinsicht eh schon unglaubliche - erste Film. Atheisten hassen Gott, sind die Ausgeburt der Hölle und Christen alles reine Engel. Das ist zwar eine durchaus grandiose Leistung, aber leider auf die falsche Art. Dieser Strohmann-Film ist übelste Propaganda. Nach dem Abspann kommt noch einmal Freude auf: Der von David White gespielte Reverend Dave wird verhaftet, weil er seine Predigten nicht von den örtlichen Behörden kontrollieren lassen möchte. Ja, die bereiten allen Ernstes Teil 3 vor. Das kann ja heiter werden.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Candy's Room: Soleil Noir von Marc Vorlander

Candy's Room: Soleil Noir (USA 2011) befindet sich als Bonusfilm auf
der DVD von "The Next Deathwish".
Ein emotional nicht sehr stabiler Teenager, der in einer dysfunktionalen Familie lebt und sich deshalb immer öfter in eine Traumwelt flüchtet und am liebsten Prinzessin spielt: Das ist Candy Black. Candys Problem mit der Realität in der sie lebt, geht sogar so weit, dass sie für drei Tage in ein Sanatorium eingewiesen wird. Der dort tätige Psychiater ist aber genauso inkompetent wie er gleichzeitig in Candy verknallt ist, er lässt sie - trotz der Proteste seiner Kollegin - einfach wieder raus. Kaum setzt Candy einen Fuß vor die Tür und in die Freiheit, beginnt sie wieder damit, ihren Ex-Freund zu stalken und anzurufen. Der ist davon natürlich nur wenig begeistert. Währenddessen verschwinden für Candy die Grenzen zwischen Traumwelt und Realität immer mehr...

Den Trailer zu dem Film gibt es hier.


Candy's Room: Soleil Noir von Marc Vorlander
Was lange gärt, wird endlich Wut... Es ist nun schon etwas länger her, dass ich bei meiner Rezension zu "The Next Deathwish" angekündigt habe, auch den als Bonusfilm auf die DVD gepressten Film "Candy's Room: Soleil Noir" zu rezensieren. Zwar ging das lange nicht so schnell, wie ich es eigentlich geplant hatte (viele berufliche Aufträge haben die Fertigstellung der Rezension verhindert und außerdem habe ich auch noch ein Privatleben), aber nun ist es endlich so weit.

Candy ist Vorlanders bester Film.

Gut ist er deshalb aber noch lange nicht. Wenn ich bestimmen müsste, ob Hunde- oder Katzenscheiße besser riecht, geht vielleicht auch eines der Häufchen als Gewinner aus dem "Wettbewerb" hervor. Als Parfüm würde ich den Siegerduft aber trotzdem nicht tragen wollen.
Dass Candy sich minimal von Vorlanders bisherigem Schaffen abhebt liegt daran, dass er diesmal vor Drehbeginn offenbar über ein Drehbuch von Geraldine Winters gestolpert ist. Leider hören damit die Verbesserungen im Vergleich zu Deathwish auch schon wieder auf. Alle nervigen Idiotien, mit denen Vorlander seine Filme regelmäßig ruiniert, finden sich auch hier. Zwar ist Vorlander hier nicht so dreist, ein Werk von ihm selbst als "Film im Film" zu präsentieren, dafür kommt mitten im Film ein Cartoon-Musikvideo seines Buddys Fernando Abrantes, das (wie sollte es anders sein) genau gar nichts mit der Handlung des "Films" zu tun hat, und die ohnehin nur rudimentär vorhandene Handlung volle zwei Minuten lang ausbremst. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um die einzige sinnlose Sequenz. Immer wieder unterbrechen rein instrumentale Sequenzen den Film, der zwar nur eine Stunde dauert, dessen Handlung aber nicht mehr als 15 Minuten füllt. Ein Mädchen mit psychischen Problemen will seinen Freund zurück und driftet immer in ihre Traumwelt ab. Fertig. Das trägt aber keine 60 Minuten, weshalb Vorlander mal wieder alle möglichen Füllsequenzen einbaut und so die Geduld des Zuschauers auf eine sehr harte Probe stellt. So schaut man nach spätestens 20 Minuten immer öfter auf die Uhr und fragt sich, ob Geraldine Winters' Drehbuch tatsächlich so wenig hergegeben hat, oder ob Vorlander schlicht nicht dazu fähig ist, eine halbwegs stringente Handlung aufzubauen und den Handlungsbogen von Anfang bis zum Ende durchzuhalten. Ich befürchte, es handelt sich um eine Kombination aus beidem (zu gegebener Zeit werde ich mir wohl eine ihrer Regiearbeiten zu Gemüte führen und diese dann hier besprechen).
Die schauspielerischen Leistungen sind unter aller Sau. Das liegt aber nicht an den Menschen vor der Kamera, die so planlos agieren, dass einem sofort klar wird, dass sie keinerlei brauchbare Regieanweisungen erhalten haben und man kann ihnen beim Anschauen zumindest nicht absprechen, dass sie versuchen, das halbwegs Beste aus ihrer hoffnungslosen Situation zu machen. Ich mache dem Cast hier keinen Vorwurf, selbst Tom Hanks oder Benedict Cumberbatch wären hier auf verlorenem Posten gestanden. Da bekommt man beim Ansehen schon fast Mitleid, wenn man sich nicht vor Augen halten würde, dass die da alle freiwillig dabei sind. Bemerkenswert ist der weitere Werdegang von Hauptdarstellerin Francesca DiPaola (die auch in The Next Deathwish zu sehen war) aber allemal: Die hat danach noch genau einen Film mit Geraldine Winters gedreht ("Bongo: Killer Clown") und ging danach (begleitet von der Reality-Show "The Sisterhood: Becoming Nuns") ins Kloster. Wenn meine Erfahrungen mit anderen Menschen auch beinhalten würden, dass Marc Vorlander mich mit einer Plastikkrone auf dem Kopf vor einem imaginären Hofstaat predigen lässt, ich würde mein Heil auch hinter dicken Klostermauern suchen...


Fernandos Ohrenfolter
Was an dem Film fast noch mehr nervt, als an Deathwish, ist diese repetitive Elektronik-Musik von Fernando Abrantes. Jetzt bin ich schon von Haus aus nicht der Welt größter Fan dieses Genres und dann wird hier jede Sekunde Film mit diesem aus gefühlt drei Noten bestehenden Geklimper unterbrochen, das so klingt, als hätte mein dreijähriger Neffe ein Spielzeugkeyboard vom Aldi zu Weihnachten bekommen und ... nein ganz ehrlich, mein Neffe kann das besser. Viel besser.


Fazit zu Candy's Room
Marc Vorlander schafft es auch mit Candy's Room nicht, einen halbwegs stimmigen Film abzuliefern. Das ist keine Überraschung, aber es zeigt, dass es bei ihm auch nicht hilft, wenn er die Drehbücher nicht selber schreibt. Dieses Werk ist genauso ungenießbar wie "Deathwish". Der große Künstler, für den Vorlander sich selbst hält, wird er wohl niemals werden, weshalb ich das Kapitel Marc Vorlander für mich mit dieser Rezension beende.